Was will die Generation Z? Gastbeitrag Charles Bahr

Wer mit Gen Z Influencern und deren Zielgruppe arbeiten möchte, sollte sich auch die Mühe machen, diese zu verstehen. Einer, der diese Generation besonders gut versteht, ist Charles Bahr (*2002). Der Gründer von Tubeconnect erzählt uns im heutigen Blogbeitrag, was Jugendliche der Generation Z so besonders macht – nicht aus Lehrbuchsicht, sondern aus erster Hand. Ein Stück über Mediennutzung, Konsum und moderne Wissensvermittlung.

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Die Generation Z - viele sehen die Teenager von heute als unkreativ, belanglos und “die ganze Zeit nur am Handy”. Aus meiner Sicht hat sie allerdings dadurch, dass sie als erste ihrer Art die Medienlandschaft eigenständig mitgestalten kann, einen viel größeren kreativen Anreiz und Motivation eigenständig Inhalte zu kreieren.

Während bei den Millennials noch Individualität und Work/Life-Balance besonders groß geschrieben wurde, steht bei uns besonders das Motto “do what you love” im Vordergrund. Das heißt natürlich nicht, dass diese Lebensansicht nicht bereits genauso auch von Älteren vertreten werden kann, sondern einfach dass wir davon überzeugt sind, dass man nur so ein nachhaltig erfolgreiches Leben gestalten kann.

Soziale Netzwerke sind am Ende nur Autobahnen, die befahren werden können. Die Autos werden von den Nutzern kreiert - und sind bei den heutigen Teenagern besonders kreativ, bunt und neu. Sie fallen auf. Als Jugendlicher merkt man heutzutage, dass die eigene Meinung im Internet weitaus mehr wert ist, als man sich vielleicht vor zehn Jahren noch unter seinen Freunden selbst verwirklichen konnte.

Wer sich die “Gen Z” oberflächlich anschaut, der würde vielleicht sagen, dass gar nicht so viel anders ist. Klar, wir sind die Ersten, die Snapchat besonders aktiv und nativ nutzen, allerdings nutzen wir genauso auch WhatsApp (und teilweise auch noch den Facebook Messenger). Die wesentliche Erkenntnis liegt darin, dass die Plattformen am Ende vielleicht ähnliche sein könnten, wir Tools und Apps allerdings anders nutzen.

Bei WhatsApp zählt es nicht, möglichst viel wert auf Rechtschreibung zu legen oder eine lange, ganze Nachricht zu schreiben, sondern vielleicht eher fünf kurze Nachrichten oder zwei Emojis, die eine ähnliche Gefühlslage oder Emotionen ausdrücken. Es wäre langweilig, wenn die “Älteren” (für uns alle über 25!) verstehen würden, wie wir kommunizieren oder was wir mit bestimmten Nachrichten aussagen möchten.

Aktien sind spätestens seit Facebook und Snapchat cool geworden und der Wirtschaftsunterricht ist vielen von uns auch nicht mehr sonderlich fremd
— Charles Bahr

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auf der einen Seite natürlich viel Geld für Konsum und Produkte ausgeben, da Influencer Marketing ansonsten natürlich nur sehr schwer funktionieren würde, aber viel mehr Jugendliche auch Wert auf Langfristigkeit legen. Aktien sind spätestens seit Facebook und Snapchat cool geworden und der Wirtschaftsunterricht ist vielen von uns auch nicht mehr sonderlich fremd.

Eines der wenigen Fächer, in denen man tatsächlich - immer abhängig vom Lehrer, seinen Methoden und Inhalten - praxisnahes und wichtiges Wissen für die spätere Zukunft lernt. In vielen Fächern geht es einfach nur darum, sich selbst soziale Kompetenzen anzueignen oder zu lernen, wie man lernt. Mathe ist kein Zusammenrechnen von Zahlen, sondern ein “Probleme lösen”, würde ich meinen. Das wirklich große Problem an Schule ist aus meiner persönlichen Sicht allerdings, dass es Menschen genau einen Weg gehen lässt und somit weder die Möglichkeit hat, besondere Stärken zu fördern oder überhaupt Freiheiten zuzulassen. Mal schauen, wie lange dieses System sich noch am Leben hält…

Wenn wir allerdings aus der Schule raus sind, haben viele erst einmal wenig Plan vom Leben. Desto mehr man ausprobiert und sich vielleicht durch Auslandsaufenthalte oder Praktika an seinen Traumberuf herantastet, wollen wir am Ende das finden, was uns wirklich hundertprozentig erfüllt. Was genau das ist, muss allerdings jeder für sich selbst herausfinden.

Die sozialen Medien haben in vielen Fällen allerdings auch dafür gesorgt, dass Weltstars so gesehen gar nicht mehr existieren. Sie wurden weitestgehend durch “Bluechip-Influencer” ersetzt. Genauso, wie jeder sich seine eigene Abobox zusammenstellt, gehen eben auch die Interessen zu bestimmten Gebieten oder Genres weit auseinander. Das sorgt in vielen Fällen auch dafür, dass man sich seinen Freundeskreis auch nach überschneidenden Interessen aussucht.

Jeder redet davon, dass die Gen Z so nachhaltig und umweltbewusst lebt. Das ist in der Realität dennoch bei weitem nicht so stark ausgeprägt, wie man es sich vorstellt. Es gibt genauso wie in vorherigen Generationen immer einen speziell fokussierten und engagierten Teil dafür, es ist aber kein Hauptinteresse der Teenager.

Motivation dafür aufzurufen funktioniert natürlich daher auch nur begrenzt, aber ist natürlich möglich, indem man mit interessanten Inhalten und Menschen, von denen sich Jugendliche inspirieren lassen, ungefiltert in ihrer Filterblase erreicht.

Abschließend kann von meiner Seite aus nur gesagt sein, dass es in jedem Fall am besten ist, sich die Meinung der jungen Leute selbst einzuholen - egal ob durch einen Praktikanten oder durch eine gelassene Fokusgruppe, bei der man einfach mal ein paar Teens für eine Stunde begeistert, um Feedback einzuholen oder ein wenig tiefer in deren Filterblase und Nutzungsgewohnheiten einzutauchen.