Der Schlaumacher: Warum ich gerne Influencer bin

Als "Der Schlaumacher" ist David Peter auf YouTube unterwegs. Dort unterhält, informiert und begeistert er seine Zuschauer. Dass der Begriff "Influencer" in der Öffentlichkeit negativ besetzt wird, geht ihm auf die Nerven. Im Gastbeitrag widmet er sich dem Thema: "Warum ich gerne Influencer bin."

“Das sind doch alles Schmarotzer.”, “Die sollen erstmal richtig arbeiten.”, “früher hieß es arbeitslos, heute heißt es influencer!”, “Hachja Influenza - die gute alte Grippe...sich selbst als diese zu bezeichnen...geistige Umnachtung.”, “Die ziehen den Kindern doch nur das Geld aus der Tasche.” – Sowas liest und hört man in den letzten Wochen und Monaten immer wieder. Die Missgunst und Ablehnung gegenüber Influencern ist groß und gleichzeitig ist es im Marketing der heißeste Shit. Woher kommt das?

 Wie ein Jodel-Nutzer zu Influencern steht

Wenn man dieser Tage nach Influencer-Themen in den Medien schaut, dreht sich eigentlich alles immer nur darum, wie viel Influencer damit verdienen, ihren naiven Zuschauern schamlos irgendwelche Produkte anzudrehen.

“Influencer” ist zum regelrechten Schimpfwort geworden und ich kenne viele Creators, die deswegen auch Abstand von dieser Bezeichnung nehmen.

Ich bin selbst ein Video-Creator, YouTuber, Filmer, Instagramer, Twitterer und eben auch Influencer. Mir geht es auf den Keks, dass jeder, der einen Instagram-Account hat, meint, Influencer-Marketing Experte zu sein. Außerdem habe ich das Gefühl, dass es salonfähig ist, gegen Menschen in einer bestimmten Branche zu hetzen. Hier wird von etablierten und weniger etablierten Medien alles über einen Kamm geschoren. Nicht sehr professionell und einer Hexenjagd gleichend. Außerdem bietet die Influencer Landschaft mehr als nur Beauty, Lifestyle und Fitness.

DerSchlaumacher_03.jpg

Der Schlaumacher

David Peter ist Social Media-Berater und Betreiber des YouTube-Kanals “Der Schlaumacher” mit 75.000 Abonnenten und mehr als 11 Millionen Views. Er betreibt deutschlandweit 15 lokale Creator-Communities, um Content-Creator zusammenzubringen. Daneben hält er im YouTube Space Berlin Workshops für den Videonachwuchs. Im Bereich Social Media und Formatentwicklung berät er Kunden wie eBay, HP und die Deutsche Welle.

Ich will nicht außen vor lassen, dass es natürlich eine Menge schwarze Schafe in der Social Media Landschaft gibt, da die Zugangsvoraussetzungen so minimal sind, dass es zumindest jeder versuchen kann. Ich würde das mal das “Supertalent-Phänomen” nennen, da heutzutage viele bereit sind sich für ein bisschen Ruhm und schnelles Geld zum Affen zu machen. Aber man wird nicht als erfolgreicher Influencer geboren. Meistens ist es jahrelange Arbeit, die viele offenbar als wertlos betrachten. Generell wird in Deutschland kreative Arbeit sehr gering geschätzt. Wer nicht im Blaumann tätig ist, arbeitet gar nicht richtig. Aber das ist nochmal ein anderes Thema und soll hier nicht erörtert werden.

Ich möchte mir im Folgenden den Influencer als solches mal genauer ansehen und auch erklären, warum ich die Aufregung der Leute nicht verstehe. Außerdem würde ich gerne den Medien, die sich so gerne über Influencer echauffieren, den Spiegel vorhalten.

Als erstes müsste auch mal geklärt werden, dass Influencer nicht gleich Influencer ist und da auch schon das Problem beginnt. Influencer umfasst ja alle Menschen, die Einfluss auf die Meinung einen größeren Gruppe von Menschen hat. Die Definition ist da sehr schwammig, da jeder mit einem größeren Freundeskreis irgendwie Influencer ist. Wir sprechen im Allgemeinen aber meist von Social Media-Influencern. Aber die Kritik, dass sich Influencer für eine Menge Kohle verkaufen würden, sollte nicht nur auf Social Media Influencer beschränkt werden.

Influencer sind keine Erfindung der Sozialen Netzwerke. Wer erinnert sich nicht an Boris Becker, der ganz einfach mit AOL ins Internet kommt, einen Manuel Neuer, der für Coca Cola wirbt, James Bond im BMW oder eine Aston Martin-Verbrecherjagd oder “Wetten, dass…?”, wo häufig Autos als Gewinne ungewöhnlich angepriesen wurden. Apropos “Wetten, dass…?”: Ich habe keine große Empörungswelle vernommen, dass Thomas Gottschalk laut Bild zuletzt pro Folge 100.000 Euro bekommen hat. Auch beschwert sich niemand lautstark über die Gagen von bekannten Schauspielern, Fußballern oder Musikern. Hier scheint es offenbar normal zu sein.

_Man wird nicht als erfolgreicher Influencer geboren. Meistens ist es jahrelange Arbeit, die viele offenbar als wertlos betrachten._.png

Immer wieder wird auch von den Medien die Einflussnahme von (jungen) Menschen gegen Geld und im Sinne von Unternehmen kritisiert. Kinder und Jugendliche seien nicht in der Lage reflektiert die Werbebotschaft zu bewerten.

Wenn man mal kurz nachdenkt, stellt man fest, dass es nichts neues ist, dass Kinder und Jugendliche von Werbung verführt werde soll. Im Kinderprogramm im TV läuft Werbung, in Kinderzeitschriften wird Werbung gezeigt und auch im Supermarkt werde die jüngsten verführt. Und wenn ich mich recht entsinne, wurde auch schon vor den Zeiten des Internets Idolen wie den Scharen von Boybands nachgeeifert. Da wurde in der Bravo gelesen, was der Schwarm zuletzt gemacht, welche Klamotten er getragen hat und was gerade cool ist. Kolumnen mit Titeln wie “Das tragen die Stars” füllen seit Jahrzehnten die Zeitschriften und neuerdings eben auch die Online-Medien. Es wird also plötzlich bei den Influencern angeklagt, was seit Jahrzehnten gang und gäbe ist. Ähnliches gilt übrigens für die Einbindung von Werbebotschaften in redaktionelle Inhalte. Vor nicht so langer Zeit las ich einen Kommentar im Spiegel Online zu dem Thema. Davon abgesehen, dass ich jemanden bei dem Thema schwerlich ernstnehmen kann, der LeFloid als “so etwas wie das öffentlich-rechtliche YouTuber-Programm” bezeichnet und über ihn sagt, er sei “irgendwo zwischen den Kika-Kindernachrichten, 'Sponge Bob', 'Extra3' und der 'Heute Show'. Florian 'LeFloid' Mundt ist einer von den Guten” - gerade, wenn diese Person auch noch an einer Hamburger Uni zum Thema “Digitale Kommunikation” doziert. Das erscheint mir eher so, als wäre das ein Fall von “hey, alle reden über Influencer, ich gebe auch mal meine Meinung dazu ab ohne die Szene richtig zu kennen oder gar Teil von ihr zu sein”. Aber zurück zum Artikel. Dort wird darüber schwadroniert, wie viel Geld man bei Instagram mit einem Post verdienen könne (in diesem Fall 6000 US-Dollar pro Post bei 1,7 Mio Followern) und in Frage gestellt, wie authentisch so ein Post dann sein kann.

An dieser Stelle, werfen wir doch mal einen Blick auf das Anzeigen-Angebot vom SPIEGEL. in 2017 nimmt der Spiegel Online für 2,8 Mio Kontakte innerhalb von 2 Wochen im Ressort Reisen für ein Advertorial - also eine Werbeform, die anmutet wie ein redaktioneller Beitrag - 23.600 Euro und gerne auch noch 2.000 Euro, wenn die die Gestaltung und Programmierung für den Kunden übernehmen. Alles in Allem nimmt der Spiegel etwa 5.000 Euro bis 10.000 Euro pro 1 Mio Kontakte, um Pressemitteilungen von Unternehmen im redaktionellen Umfeld zu publizieren.

Vielleicht sollte man sich hier erstmal an die eigene Nase fassen. Denn wenn man es genau nimmt, sind Influencer nichts anderes als Content Produzenten. Der Content, der produziert wird, muss irgendwie monetarisiert werden - wie das bei anderen Content-Produzenten wie TV- oder Printmedien auch der Fall ist.

Am Ende bleibt dann noch ein bisschen die Frage nach der Verantwortung. Darf der Influencer einer jungen Zielgruppe keine Werbeinhalte vermitteln oder ist vielleicht auch die Gesellschaft selbst dafür verantwortlich eine gewisse Medienkompetenz zu entwickeln? Und schließlich bleibt die Frage, ob Medienkompetenz noch hilft, wenn man wirklich Fan von einem Idol ist. Schließlich sollte sich auch jeder mal selbst die Frage stellen, zu wie viel er bereit wäre, wenn die Existenz davon abhängt.

Ich selbst habe auf meinen Kanälen schon bezahlte Werbung für Unternehmen gemacht. Wichtig ist eben, dass der Zuschauer am Ende einen Mehrwert hat. Sicher gibt es auch plumpe Placements, aber es ist ja auch nichts neues, dass es schlechte Werbung gibt. Da erinnern wir uns doch gerne an den Imagefilm für Autobahnklos im Wunderland-Style.

Zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen: Entspannt euch mal ein bisschen und betrachtet das Ganze mal mit etwas Abstand. Der Markt wird das schon regeln. Genau wie mit Fidget Spinnern, die es am Anfang für 5 Euro gab und die jetzt für 0,50 Euro auf der Resterampe liegen.